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POSTER Multiple Sklerose 1

Donnerstag, 24. September 2009, 12:30 - 14:30

Fatigue bei Multipler Sklerose und Korrelation zur Aufmerksamkeitsintensität im Verlauf einer stationären Rehabilitationsbehandlung

H. Meißner, A. Pfitzner, U.K. Zettl, P. Flachenecker (Bad Wildbad, Rostock)

Die erhöhte Erschöpfbarkeit („Fatigue“) gehört zu den häufigsten und am meisten beeinträchtigenden Symptomen der Multiplen Sklerose (MS) und hat erhebliche Auswirkungen auf Lebensqualität und berufliche Leistungsfähigkeit. Kürzlich konnten wir nachweisen, dass die subjektive Selbsteinschätzung mittels eines standardisierten Fragebogens gut mit der objektiven Messung der Aufmerksamkeitsintensität korrelierte. Ziel dieser Arbeit war es, die Ergebnisse in einer unabhängigen Patientenpopulation zu bestätigen und den Effekt einer zweiwöchigen Intervention aufzuzeigen.
Patienten und Methodik: In einer kontrollierten Studie wurden MS-Patienten mit noch erhaltener Gehfähigkeit (EDSS <= 6,0) eingeschlossen, die zu einer stationären Rehabilitationsmaßnahme im Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof aufgenommen wurden und über eine Fatigue-Symptomatik klagten. Dabei wurden die Effekte eines zusätzlichen, zweiwöchigen Ergometertrainings unter normobaren Hypoxiebedingungen in der Höhenkammer mit denen eines Ergometertrainings unter normalen Bedingungen und denen des üblichen, störungsspezifischen Rehabilitationsprogramms verglichen. Zu Beginn (T0) und nach zwei Wochen (T1) wurde die Fatigue-Symptomatik mit dem „Würzburger Erschöpfungs-Inventar bei MS“ (WEIMuS-Fragebogen zur subjektiven Selbsteinschätzung) erhoben und in einer gepoolten Analyse zur Aufmerksamkeitsintensität (Untertest „Alertness“ aus der Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung, TAP) korreliert.
Ergebnisse: Insgesamt nahmen 39 MS-Patienten (29 Frauen, 10 Männer, Alter 43,2 ± 7,8 Jahre, Krankheitsdauer 11,5 ± 8,2 Jahre, mittlere EDSS 4,3 ± 1,5) an der Studie teil. Der WEIMuS-Summenwert verbesserte sich von 39,0 ± 13,1 auf 23,1 ± 21,0 (p < 0,001), die Reaktionszeiten der Alertness nahmen parallel dazu von 340 ± 142 ms auf 330 ± 132 ms ab. Zu beiden Messzeitpunkten waren WEIMuS-Summenwert und Alertness signifikant miteinander korreliert (T0: r = 0,41, p < 0,01; T1: r = 0,52, p < 0,001), ebenso wie die Differenzen T2-T0 (r = 0,41, p < 0,01). Demgegenüber war keine Korrelation zwischen WEIMuS-Wert und dem Untertest „Exekutive Kontrolle“ der TAP vorhanden.
Schlussfolgerung: Die subjektive Selbsteinschätzung der Fatigue korreliert gut mit der Aufmerksamkeitsintensität. Damit steht ein objektives und einfaches Messverfahren zum Nachweis der MS-bedingten Fatigue zur Verfügung, das sowohl bei der Beurteilung und Behandlung individueller Patienten als auch in klinischen Studien verwendet werden kann.