28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin
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Der besondere Fall II

Freitag, 14. Januar 2011, 14:00 - 15:00

Rezidiv eines Hydrozephalus internus 3 Monate nach raumforderndem Kleinhirninfarkt

H. Hentschel, T. Juratli, T. Schultheiß (Dresden)

Hintergrund: Die extra-ventrikuläre Drainage (EVD) wird bei akutem Hydrocephalus internus durchgeführt. Nach Subarachnoidalblutung muss häufig eine dauerhafte Ableitung nach extraventrikulär aufgrund der Liquormalresorption erfolgen. Nach einem malignen Kleinhirninfarkt hingegen ist die EVD zwecks intrakranieller Druckentlastung und Umgehung der Occlusion des 4. Ventrikels in der Regel nur vorübergehende notwendig.
Methoden: Eine 66jährige Patientin wurde aus einem regionalen Krankenhaus aufgrund seit dem Vortag bestehenden Schwindels sowie progredienter Dysarthrie und Kopfschmerzen auf unsere Intensivstation übergenommen. Im CCT bei Aufnahme zeigte sich ein raumfordernder Kleinhirninfarkt links mit Kompression des 4. Ventrikels und beginnendem Liquoraufstau. Nach Intubation der Patientin erfolgte die atlanto-occipitale Trepanation und EVD-Anlage. 6 Tage später, nach erfolgreichem Abklemmversuch und fehlenden Zeichen der Liquorzirkulationsstörung im CCT wurde die EVD entfernt.
Im CCT 10 Tage nach EVD-Entfernung ergab sich weiterhin (passend zur blanden Klinik) kein Anhalt für eine Liquorzirkulationsstörung. Lediglich war zwischenzeitlich wegen schwerer Dysarthrie/ Dysphagie bei der bereits wieder in den Gang mobilisierten Patientin die Tracheotomie zum Aspirationsschutz erfolgt.
Nach 3 Monaten wurde uns die Patientin erneut aus dem regionalen Krankenhaus via telemedizinischem Konsil vorgestellt. Sie war 3 bis 4 Wochen zuvor selbständig aus der neurologischen Rehabilitationsklinik nach Hause entlassen worden und beklagte seit 3-5 Tagen zunehmende Kopfschmerzen, zuletzt begleitet von Übelkeit und Erbrechen.
Das CCT zeigte nun wieder einen Hydrocephalus internus. Außerdem fand sich ein ausgedehntes epidurales Liquorkissen im Bereich der reizlosen, trockenen atlanto-occipitalen Trepanationsnarbe (siehe Bild).
Ergebnisse: Nach Freipräparation und Abpunktion der unter Druck stehenden Liquorzyste stellte sich ein etwa 5mm messendes Leck der Dura mater dar, welches durch Übernähen mit autologem Gewebe vollständig verschlossen werden konnte. 10 Tage später wurde die Patientin wieder nach Hause entlassen.
Diskussion: In dem hier präsentierten Fall kam es 3 Monate nach raumforderndem Kleinhirninfarkt und suboccipitaler Trepanation zum Rezidiv des Hydrozephalus internus. Statt der zunächst vermuteten Liquormalresorption war hier wohl die erneute Kompression des 4. Ventrikels ursächlich – nunmehr durch die hinter einem Dura-Leck mit Ventilmechanismus wachsende Liquorzyste.